Weisheiten der Welt

 

Die zwei Seelen in meiner Brust

Auf der einen Seite sind da die täglichen Horrormeldungen von Flüchtlingen zu abertausenden, sexuellen Übergriffen und Raub sowie der ganz alltägliche Wahnsinn von Mord und Totschlag in der Welt. Der Mensch streitet um den richtigen Glauben, die politische Ausrichtung und Anlehnung, sowie die beste Gewinn versprechende Geldanlage. Die Kirchen biegen sich unter dem Zeitgeist von Morallosigkeit und stellen alles zur Disposition was man mit ihnen verbinden konnte. Der Staat als „Machtapparat“ verlangt sich selber keine Moralische Grenzen ab und scheint oft Getriebener seiner eigenen Geister, also der Finanz und Wirtschaftsgeflechte zu sein. Menschliches Leid und Gewalt scheint dieser Staat jedenfalls nicht zu verringern und dem Unrecht entgegenwirken zu wollen sondern er multipliziert es um ein vielfaches weil er selber keinen Weg der homogenen sozialen Entwicklung definieren kann. Zu Krank ist das System im Sinne einer unflexiblen Gestaltungsmöglichkeit und dem säkularem Weltbild.

Auf der anderen Seite meiner Seele ist dort aber ein tief verankertes Gefühl und ein Wissen um die Sinnhaftigkeit aller Geschehnisse. Ob jemand an meinen Gott glaubt oder nicht spielt dabei keine Rolle. Bevor das menschliche Leben überhaupt begann musste das Universum Bedingungen schaffen um so etwas wie Leben überhaupt zu entwickeln.

Die irdische Atmosphäre alleine ermöglichte schon eine einzigartige universale Bedingung um unsere Basis von Wasser und biologischer Entwicklung voranzutreiben. Der Austausch von Kohlenstoffen und Sauerstoff im Verhältnis zu Energie und Temperatur tat ein übriges um die Evolution voranzubringen. Die ersten Aminosäuresequenzen konnten sich bilden und überlebensfähige Einzeller hervorbringen. Um die biologische Entwicklung nicht zu zerstören musste das Atmosphärische System mehrfach die Bedingungen verändern um nicht im ewigen Eis zu versiegen. Für uns den heutigen Homo Sapiens sind die Millionen von Jahre eine selbstverständliche wissenschaftlich erklärbare Entwicklung. Nur die Zeitabläufe sind uns in ihrer wirklichen Dimension verborgen. So unvorstellbar lang und gewaltig ist der Schritt von der Aminosäure zum Menschlichen Leben das mir ein Beispiel zur Veranschaulichung am besten erscheint. Wenn man ein Buch wie die Bibel mit rund 1300 Seiten als Vergleich nimmt, dann ist die Menschheitsgeschichte lediglich auf den letzten fünf bis zehn Zeilen vertreten. Dabei hat die biologische Evolution immer nur auf Bedürfnisse reagiert die das Leben und seine Bedingungen mit sich brachte. Die Lunge war also die Antwort auf die vorhandene Luft, die Beine das Resultat auf das Bedürfnis der Fortbewegung und so hat auch nicht der Mensch das Denken erfunden sondern die Natur ein Erkenntnis fähiges Organ. Und wenn Augen die Antwort auf die Lichtverhältnisse sind dann steht unserem Geist auch ein Universales Bewusstsein gegenüber, denn wie könnten wir heute all die Physikalischen und Mathematischen Gesetze kennen, wenn sie nicht Teil des Ganzen wären? Nun entsteht aber nichts aus dem Nichts, das es ohnehin im Universum nicht gibt. Ein anthropologisches Bewusstsein ohne vorangegangene Bewusstheit kann es nicht geben. Die Medizinische Wissenschaft weiß längst das der Mensch ein einzigartiger biologischer Organismus sind und das wir beinahe alles hervorbringen und schaffen können. Das was wir aber niemals Reproduzieren werden ist das menschliche Gehirn. Milliarden von Synapsen und Hirnwindungen die miteinander interagieren und in logischer Verbindungen zueinander stehen und dazu noch mit hormonellen Informationen Korrelieren. Nehmen sie es als Leser locker, aber sie sind ein wandelndes Wunderwerk. Die Menschheit hat, so lange es uns gibt schon frühzeitig philosophisches Denken und Wissenschaften definiert die unsere Existenz auf dem Planeten zu erklären versuchten. Kein geringerer als Charles Darwin selbst hat im 1900 Jahrhundert die Evolutionstheorie aufgestellt und den Beweis geführt. Er hat jedweder biologischen Existenz eine Sinn und Zweckgerichtete Aufgabe zugesprochen. Die biologische Evolution ist demnach Zielgerichtet, natürlich im Sinne der Arterhaltung und Fortentwicklung die durch Mutationen sprunghafte Veränderungen erfährt. Darwin entdeckte die Selektionsmechanismen nach denen die Natur entscheidet wer als gelungenes Exemplar den Wettbewerb der Auslese im Überlebenskampf gewinnt. Wer nach welchen Kriterien dabei der natürlichen Selektion unterliegt, bestimmt die Art Spezifische Vorgab und das Auslesemuster. Das so oft kritisierte, Recht des Stärkeren ist dabei nur eine der Fortpflanzungskriterien. Flexibilität und die schnellstmögliche Anpassungsfähigkeit an Umweltbedingungen sind, zumindest bei höher entwickelten Lebewesen, sehr viel wichtiger im natürlichen Ausleseprozess.

Lange Zeit vor Charles Darwin hat der griechische Philosoph Platon, rund 400 Jahre vor Christus, schon eine Ideenlehre hervorgebracht. Die Anthropologie, Ethik und Staatstheorien wurde in der Verbindung zur Weltseele entworfen. Kosmologie und Seelenlehre flossen in einer Metaphysik und Erkenntnistheorie zusammen. Seiner Lehre nach löst sich die Seele im Tod vom Körper, und das ewig Lebendige trennt und befreit sich von der nur durch die Seeleneinwirkung belebten Materie. Dieser Große Weise Mann hat maßgeblich an eine Gerechtigkeit als Grundtugend in seiner Ethik definiert und dem Mensch Vernunftbegabung zugesprochen. Zielgerichtet verläuft nach Platon die Reinkarnation der Seele um sich höher zu entwickeln. Heute im 21. Jahrhundert wissen wir viel über den Aufbau des Universums. Wir kennen den Lauf der Planeten und mathematisch berechenbare physikalische Gesetzmäßigkeiten. Es verbietet sich fast im Universum an einen Zufall zu glauben wo doch alles nach Gesetzmäßigkeiten verläuft und alles mit allem irgendwie verbunden ist. Wenn das aber so ist und der Mensch als Teil der Natur, eingebunden in diese Gesetze ist, warum schlägt dann in meinem Herz nicht nur diese eine Seele die Platon beschrieb und die Jesus Christus zum zentralen Gesetz seiner Lehre machte. Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst, war sein Gebot für das Zusammenleben aller Menschen. Was bitte empfinde ich aber wenn man die tausende Jahre Evolution ansieht und barbarische Kriege und indirekte und direkte Zerstörung ganzer Kulturen feststellt. Der Blick in die Evolutionslehre kann einen ja beruhigen denn danach verläuft alles normal. Das Töten und die kriegerische Selektion findet im Rahmen unserer biologischen Überlebensstrategie statt. Nach Darwin folgt auf jede Überpopulation der Art die natürliche Auslese, warum soll das nicht auch bei uns so sein. Alles Morden ganz normal also? In der Tat kann der Misanthrop hier auf die natürliche Auslese zurückgreifen und sein Gewissen beruhigen. Der Mensch geht im Überlebenskampf vor allem an seiner eigenen unreflektierten Dummheit, trotz der herausragenden Intelligenz zugrunde. Er lässt sich zu sehr von soziologischen Bindungen beherrschen statt sich auf kreatürliche Wesensmerkmale zu besinnen. Platon war dort weiter als wir es heute, in der großen Masse zumindest sind. Platon verstand den Tod als Teil des Lebens vor dem man nicht davon laufen muss sondern dem man zufrieden entgegen ging wenn man nur an sich und seiner natürlichen Lebensaufgabe gearbeitet hat. Jesus Christus hat das genau so gesehen und ist seinen Lebensweg unbeirrt gegangen auch dann wenn am Ende ein aberwitziges Martyrium stand. Zweifel im Sinne einer Auslese über den Tod hinaus kannten beide nicht. Der Misanthrop in mir, der sich an all dem Mord und Totschlag stört muss also schweigen lernen. Der Menschenfreund hat recht denn trotz der bösen Erfahrungen im Leben darf man nicht in ihnen leben sondern muss an ihnen reifen, sofern man noch genügend Lebenszeit hat natürlich.

Thomas Gottberg

Von den Kindern  

Von den Kindern
Und eine Frau, die einen Säugling an der Brust hielt, sagte:
Sprich uns von den Kindern.
Und er sagte:
Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch.
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben,
aber nicht eure Gedanken denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben,
aber nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen,
das ihr nicht besuchen könnt,
nicht einmal in euren Träumen.
Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben läuft nicht rückwärts,
noch verweilt es im Gestern. Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder
als lebende Pfeile ausgeschickt werden.
Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der
Unendlichkeit, und Er spannt euch mit seiner Macht,
damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.
Laßt euren Bogen von der Hand des
Schützen auf Freude gerichtet sein;
Denn so wie Er den Pfeil liebt, der fliegt,
so liebt Er auch den Bogen, der fest ist.

Khalil Gibran, (1883 - 1931)

Die Wahrheit ist wie alle schönen und guten Dinge in dieser Welt: ihre Wirkungen enthüllen sich nur dem, der die Unbarmherzigkeit der Falschheit und Verstellung gespürt hat.

Mit einer Weisheit, die keine Träne kennt, mit einer Philosophie, die nicht zu lachen versteht, und einer Größe, die sich nicht vor Kindern verneigt, will ich nichts zu tun haben.
Khalil Gibran (arab. Philosoph)

Besser ist es, ein Opfer menschlicher Schwäche zu werden, als zu den Starken und Unterdrückern zu gehören, welche die Blumen des Lebens mit ihren Füßen zertreten. 
Khalil Gibran

Bevor ich die Liebe kannte, besang ich sie in meinen Liedern; als ich sie kennengelernt hatte, lösten sich die Melodien in Luft auf und die Worte verstummten. 
Khalil Gibran



Eine echte menschliche Beziehung zu haben heißt, absolut keine Vorstellung, kein Bild, keine Schlußfolgerung zu haben.
Krishnamurti, Vollkommene Freiheit

"Es ist für mich nicht wichtig, womit du deinen Lebensunterhalt verdienst.
Ich möchte wissen, wonach du innerlich schreist
und ob du zu träumen wagst, der Sehnsucht deines Herzens zu begegnen.
Es ist für mich nicht wichtig, wie alt du bist.
Ich möchte wissen, ob du es riskierst, wie ein Narr auszusehen,
um deiner Liebe willen, um deiner Träume willen und für das Abenteuer des Lebendigseins.
Es ist für mich nicht wichtig, welche Planeten im Quadrat zu deinem Mond stehen.
Ich möchte wissen, ob du den tiefsten Punkt deines Lebens berührt hast, ob du geöffnet worden bist von all dem Verrat, oder ob du zusammengezogen und verschlossen bist aus Angst vor weiterer Qual.
Ich möchte wissen, ob du mit dem Schmerz - meinem oder deinem - da sitzen kannst, ohne zu versuchen, ihn zu verbergen oder zu mindern oder ihn zu beseitigen.
Ich möchte wissen, ob du mit der Freude - meiner oder deiner - da sein kannst, ob du mit Wildheit tanzen kannst, von den Fingerspitzen bis zu den Zehenspitzen erfüllt mit Begeisterung, ohne uns zur Vorsicht zu ermahnen, zur Vernunft, oder die Grenzen des Menschseins zu bedenken.
Es ist für mich nicht wichtig, ob die Geschichte, die du erzählst, wahr ist.
Ich möchte wissen, ob du jemanden enttäuschen kannst, um dir selber treu zu sein. Ob du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst und nicht deine eigene Seele verrätst.
Ich möchte wissen, ob du vertrauensvoll sein kannst und von daher vertrauenswürdig.
Ich möchte wissen, ob du die Schönheit sehen kannst, auch wenn es nicht jeden Tag schön ist, und ob du Dein Leben aus der Kraft des Universums speisen kannst.
Ich möchte wissen, ob du mit dem Scheitern - meinem und deinem - leben kannst und trotzdem am Rande des Sees stehen bleibst und zu dem Silber des Vollmonds rufst: - Ja!
Es ist für mich nicht wichtig, zu erfahren, wo du lebst und wie viel Geld du hast.
Ich möchte wissen, ob du aufstehen kannst nach einer Nacht der Trauer und der Verzweiflung, erschöpft, und bis auf die Knochen zerschlagen, und tust, was für die Kinder getan werden muss.
Es ist für mich nicht wichtig, wer du bist und wie du hergekommen bist.
Ich möchte wissen, ob du mit mir in der Mitte des Feuers stehen wirst und nicht zurückschreckst.
Es ist für mich nicht wichtig, wo oder was oder mit wem du gelernt hast.
Ich möchte wissen, ob du allein sein kannst und in den leeren Momenten wirklich gern mit dir zusammen bist.
Ich möchte wissen, was dich von innen hält, wenn sonst alles wegfällt. "
(Oriah Mountain Dreamer, indianische Heilerin aus Kanada)

Ohne Liebe

Pflicht ohne Liebe macht verdrießlich.
Verantwortung ohne Liebe macht rücksichtslos.
Gerechtigkeit ohne Liebe macht hart.
Wahrheit ohne Liebe macht kritiksüchtig.
Erziehung ohne Liebe macht widerspruchsvoll.
Klugheit ohne Liebe macht gerissen.
Freundlichkeit ohne Liebe macht heuchlerisch.
Ordnung ohne Liebe macht kleinlich.
Sachkenntnis ohne Liebe macht rechthaberisch.
Macht ohne Liebe macht gewalttätig.
Ehre ohne Liebe macht hochmütig.
Besitz ohne Liebe macht geizig.
Glaube ohne Liebe macht fanatisch.

Geschrieben 600 Jahre vor Christus von Laotse, welcher
eigentlich mit richtigem Namen Laozi hieß.

Man muss nicht die nächste Krise durchleben um zu wissen das Unheil und schlechte Erfahrungen ein Bestandteil des Lebens sind. Ob wir an diesen Erfahrungen reifen oder an ihnen zugrunde gehen, ist oft eine Frage dessen, welche Schlüsse wir aus Erlebtem ziehen. Ohne die Kommunikation darüber gibt es keine Bewusstseinsentwicklung und Veränderung, sondern nur eine subjektiv geprägte Sichtweise, und das ist in aller Regel nicht genug.

Erzählung nach einer Rede des Häuptlings Seattle
vor dem Präsidenten der USA im Jahre 1855

 

"Der große Häuptling in Washington sendet Nachricht, daß er unser Land zu kaufen wünscht.

Der große Häuptling sendet uns auch Worte der Freundschaft und des guten Willens. Das ist freundlich von ihm, denn wir wissen, er bedarf unserer Freundschaft nicht. Aber wir werden sein Angebot bedenken, denn wir wissen - wenn wir nicht verkaufen, kommt vielleicht der weiße Mann mit Gewehren und nimmt sich unser Land.
Wie kann man den Himmel kaufen oder verkaufen - oder die Wärme der Erde? Diese Vorstellung ist uns fremd. Wenn wir die Frische der Luft und das Glitzern des Wassers nicht besitzen - wie könnt ihr sie von uns kaufen? Wir werden unsere Entscheidung treffen.

Was Häuptling Seattle sagt, darauf kann sich der große Häuptling in Washington verlassen, so sicher, wie sich unser weißer Bruder auf die Wiederkehr der Jahreszeiten verlassen kann.

Meine Worte sind wie die Sterne, sie gehen nicht unter. Jeder Teil dieser Erde ist meinem Volk heilig, jede glitzernde Tannennadel, jeder sandige Strand, jeder Nebel in den dunklen Wäldern, jede Lichtung, jedes summende Insekt ist heilig in den Gedanken und Erfahrungen meines Volkes. Der Saft, der in den Bäumen steigt, trägt die Erinnerung des roten Mannes.

Die Toten der Weißen vergessen das Land ihrer Geburt, wenn sie fortgehen, um unter den Sternen zu wandeln. 
Unsere Toten vergessen die wunderbare Erde nie, denn sie ist des roten Mannes Mutter.
Wir sind ein Teil der Erde, und sie ist ein Teil von uns.
Die duftenden Blumen sind unsere Schwestern, die Rehe, das Pferd, der große Adler - sind unsere Brüder.
Die felsigen Höhen, die saftigen Wiesen, die Körperwärme des Ponys und des Menschen - sie alle gehören zu der gleichen Familie.

Wenn also der große Häuptling in Washington uns Nachricht sendet, daß er unser Land zu kaufen gedenkt, so verlangt er viel von uns.
Der große Häuptling teilt uns mit, daß er uns einen festen Platz gibt, wo wir angenehm und für uns leben können. Er wird unser Vater sein und wir seine Kinder. Aber kann das jemals sein? Gott liebt euer Volk und hat seine roten Kinder verlassen. Er schickt Maschinen, um dem weißen Mann bei seiner Arbeit zu helfen, und baut große Dörfer für ihn. Er macht euer Volk stärker, Tag für Tag. Bald werdet ihr das Land überfluten, wie Flüsse Schluchten hinabstürzen nach einem unerwarteten Regen.

Mein Volk ist wie eine ebbende Gezeit - aber ohne Wiederkehr. Nein, wir sind verschiedene Rassen. Unsere Kinder spielen nicht zusammen, und unsere Alten erzählen andere Geschichten. Gott ist euch gut gesonnen, und wir sind Waisen. Wir werden euer Angebot, unser Land zu kaufen, bedenken. Das wird nicht leicht sein, denn dieses Land ist uns heilig.

Wir erfreuen uns an diesen Wäldern. Ich weiß nicht - unsere Art ist anders als die eure.

Glänzendes Wasser, das sich in Bächen und Flüssen bewegt, ist nicht nur Wasser - sondern das Blut unserer Vorfahren. Wenn wir euch Land verkaufen, müßt ihr wissen, daß es heilig ist, und eure Kinder lehren, daß es heilig ist, und daß jede flüchtige Spiegelung im klaren Wasser der Seen von Ereignissen und Überlieferungen aus dem Leben meines Volkes erzählt.
Das Murmeln des Wassers ist die Stimme meiner Vorväter.
Die Flüsse sind unsere Brüder, sie stillen unseren Durst. Die Flüsse tragen unsere Kanus und nähren unsere Kinder.

Wenn wir unser Land verkaufen, so müßt ihr euch daran erinnern und eure Kinder lehren: Die Flüsse sind unsere Brüder und eure -, und ihr müßt von nun an den Flüssen eure Güte geben, so wie jedem anderen Bruder auch. Der rote Mann, zog sich immer zurück vor dem eindringenden weißen Mann - so wie der Frühnebel in den Bergen vor der Morgensonnen weicht. Aber die Asche unserer Väter ist heilig, ihre Gräber sind geweihter Boden, und so sind diese Hügel, diese Bäume, dieser Teil der Erde uns geweiht. Wir wissen, daß der weiße Mann unsere Art nicht versteht. Ein Teil des Landes ist ihm gleich jedem anderen, denn er ist ein Fremder, der kommt in der Nacht und nimmt von der Erde, was immer er braucht.

Die Erde ist sein Bruder nicht, sondern Feind, und wenn er sie erobert hat, schreitet er weiter. Er läßt die Gräber seiner Väter zurück und kümmert sich nicht. Er stiehlt die Erde von seinen Kindern und kümmert sich nicht. Seiner Väter Gräber und seiner Kinder Geburtsrecht sind vergessen. Er behandelt seine Mutter, die Erde, und seinen Bruder, den Himmel, wie Dinge zum Kaufen und Plündern, zum Verkaufen wie Schafe oder glänzende Perlen. Sein Hunger wird die Erde verschlingen und nichts zurücklassen als die Wüste.

Ich weiß nicht - unsere Art ist anders als die eure. Der Anblick eurer Städte schmerzt die Augen des roten Mannes. Vielleicht, weil der rote Mann ein Wilder ist und nicht versteht.

Es gibt keine Stille in den Städten der Weißen. Keinen Ort, um das Entfalten der Blätter im Frühling zu hören oder das Summen der Insekten. 
Aber vielleicht nur deshalb, weil ich ein Wilder bin und nicht verstehe. Das Geklappere scheint unsere Ohren nur zu beleidigen. Was gibt es schon im Leben, wenn man nicht den einsamen Schrei- des Ziegenmelkervogels hören kann oder das Gestreite der Frösche am Teich bei Nacht. Ich bin ein roter Mann und verstehe das nicht. Der Indianer mag das sanfte Geräusch des Windes, der über eine Teichfläche streicht - und den Geruch des Windes, gereinigt vom Mittagsregen oder schwer vom Duft der Kiefern. Die Luft ist kostbar für den roten Mann, denn alle Dinge teilen denselben Atem: das Tier, der Baum, der Mensch - sie alle teilen denselben Atem. Der weiße Mann scheint die Luft, die er atmet, nicht zu bemerken. Wie ein Mann, der seit vielen Tagen stirbt, ist er abgestumpft gegen den Gestank. Aber wenn wir euch unser Land verkaufen, dürft ihr nicht vergessen, daß die Luft uns kostbar ist, daß die Luft ihren Geist teilt mit all' dem Leben, das sie erhält. Der Wind gab unseren Vätern den ersten Atem und empfängt ihren letzten. Und der Wind muß auch unseren Kindern den Lebensgeist geben. Und wenn wir euch unser Land verkaufen, so müßt ihr es als ein besonderes und geweihtes schätzen, als einen Ort, wo auch der weiße Mann spürt, daß der Wind süß duftet von den Wiesenblumen.

Das Ansinnen, unser Land zu kaufen, werden wir bedenken, und wenn wir uns entschließen, anzunehmen, so nur unter einer Bedingung: Der weiße Mann muß die Tiere des Landes behandeln wie seine Brüder.

Ich bin ein Wilder und verstehe es nicht anders. Ich habe tausend verrottende Büffel gesehen, vom weißen Mann zurückgelassen - erschossen aus einem vorüberfahrenden Zug. Ich bin ein Wilder und kann nicht verstehen, wie das qualmende Eisenpferd wichtiger sein soll als der Büffel, den wir nur töten, um am Leben zu bleiben. Was ist der Mensch ohne die Tiere? Wären alle Tiere fort. so stürbe der Mensch an großer Einsamkeit des Geistes. Was immer den Tieren geschieht, geschieht bald auch den Menschen. Alle Dinge sind miteinander verbunden.

Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde.

Ihr müßt eure Kinder lehren, daß der Boden unter ihren Füßen die Asche unserer Großväter ist. Damit sie das Land achten, erzählt ihnen, daß die Erde erfüllt ist von den Seelen unserer Vorfahren. Lehrt eure Kinder, was wir unsere Kinder lehrten: Die Erde ist unsere Mutter. Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde. Wenn Menschen auf die Erde spucken, bespeien sie sich selbst. Denn das wissen wir - die Erde gehört nicht den Menschen, der Mensch gehört zur Erde. Alles ist miteinander verbunden, wie das Blut, das eine Familie vereint. Alles ist verbunden. Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde. Der Mensch schuf nicht das Gewebe des Lebens, er ist darin nur eine Faser. Was immer ihr dem Gewebe antut, das tut ihr euch selber an.
Nein, Tag und Nacht können nicht zusammen leben.
Unsere Toten leben fort in den süßen Flüssen der Erde, kehren wieder mit des Frühlings leisem Schritt, und es ist ihre Seele im Wind, der die Oberfläche der Teiche kräuselt.

Das Ansinnen des weißen Mannes, unser Land zu kaufen, werden wir bedenken. Aber mein Volk fragt, was denn will der weiße Mann kaufen? Wie kann man den Himmel oder die Wärme der Erde kaufen - oder die Schnelligkeit der Antilope? Wie können wir euch diese Dinge verkaufen - und wie könnt ihr sie kaufen?
Könnt ihr denn mit der Erde tun, was ihr wollt, nur weil der rote Mann ein Stück Papier unterzeichnet und es dem weißen Manne gibt? Wenn wir nicht die Frische der Luft und das Glitzern des Wassers besitzen - wie könnt ihr sie von uns kaufen? Könnt ihr die Büffel zurückkaufen, wenn der letzte getötet ist?

Wir werden euer Angebot bedenken. Wir wissen, wenn wir nicht verkaufen, kommt wahrscheinlich der weiße Mann mit Waffen und nimmt sich unser Land. Aber wir sind Wilde. Der weiße Mann, vorübergehend im Besitz der Macht, glaubt, er sei schon Gott, dem die Erde gehört.
Wie kann ein Mensch seine Mutter besitzen?

Wir werden euer Angebot, unser Land zu kaufen, bedenken. Tag und Nacht können nicht zusammenleben - wir werden euer Angebot bedenken, in das Reservat zu gehen. Wir werden abseits und in Frieden leben. Es ist unwichtig, wo wir den Rest unserer Tage verbringen. Unsere Kinder sahen ihre Väter gedemütigt und besiegt. Unsere Krieger wurden beschämt. Nach Niederlagen verbringen sie ihre Tage müßig - vergiften ihren Körper mit süßer Speise und starkem Trunk.
Es ist unwichtig, wo wir den Rest unserer Tage verbringen. Es sind nicht mehr viele. Noch wenige Stunden - ein paar Winter - und kein Kind der großen Stämme, die einst in diesem Land lebten oder jetzt in kleinen Gruppen durch die Wälder streifen, wird mehr übrig sein, um an den Gräbern eines Volkes zu trauern, das einst so stark und voller Hoffnung war, wie das eure.
Aber warum soll ich trauern um den Untergang meines Volkes. Völker bestehen aus Menschen - nichts anderem. Menschen kommen und gehen wie die Wellen im Meer. Selbst der weiße Mann - dessen Gott mit ihm verwandelt und redet, wie Freund zu Freund, kann der gemeinsamen Bestimmung nicht entgehen. Vielleicht sind wir doch Brüder - Wir werden sehen.

Eines wissen wir, was der weiße Mann vielleicht eines Tages erst entdeckt: Unser Gott ist derselbe Gott.
Ihr denkt vielleicht, daß ihr ihn besitzt, so wie ihr unser Land zu besitzen trachtet, aber das könnt ihr nicht. Er ist der Gott der Menschen - gleichermaßen der roten und der weißen. Dieses Land ist ihm wertvoll. Und die Erde zu verletzen heißt ihren Schöpfer zu verachten.

Auch die Weißen werden vergehen, eher vielleicht als alle anderen Stämme. Fahret fort, euer Bett zu verseuchen, und eines nachts werdet ihr im eigenen Abfall ersticken. Aber in eurem Untergang werdet ihr hell strahlen, angefeuert von der Stärke des Gottes, der euch in dieses Land brachte und euch bestimmte über dieses Land und den roten Mann zu herrschen. Diese Bestimmung ist uns ein Rätsel. Wenn die Büffel alle geschlachtet sind, die wilden Pferde gezähmt, die heimlichen Winkel des Waldes schwer vom Geruch vieler Menschen und der Anblick reifer Hügel geschändet von redenden Drähten - wo ist das Dickicht? Fort! Wo der Adler? Fort! Und was bedeutet es, Lebewohl zu sagen dem schnellen Pony und der Jagd:

Das Ende des Lebens - und der Beginn des Überlebens! Gott gab euch Herrschaft über die Tiere, die Wälder und den roten Mann, aus einem besonderen Grund - doch dieser Grund ist uns ein Rätsel. Vielleicht könnten wir es verstehen, wenn wir wüßten, wovon der weiße Mann träumt, welche Hoffnungen er seinen Kindern an langen Winterabenden schildert und welche Visionen er in ihre Vorstellungen brennt, so daß sie sich nach einem Morgen sehnen. Aber wir sind Wilde - die Träume des weißen Mannes sind uns verborgen. Und weil sie uns verborgen sind, werden wir unsere eignen Wege gehen. Denn vor allem schätzen wir das Recht eines jeden Menschen, so zu leben, wie er selber es wünscht - gleich wie verschieden von seinen Brüdern er ist.

Das ist nicht viel, was uns verbindet.

Wir werden euer Angebot bedenken. Wenn wir zustimmen, so nur, um das Reservat zu sichern, das ihr versprochen habt. Dort vielleicht können wir unsere kurzen Tage auf unsere Weise verbringen.

Wenn der letzte rote Mann von dieser Erde gewichen ist und sein Gedächtnis nur noch der Schatten einer Wolke über der Prärie, wird immer noch der Geist meiner Väter in diesen Ufern und diesen Wäldern lebendig sein. Denn sie liebten diese Erde wie das Neugeborene den Herzschlag seiner Mutter.
Wenn wir euch unser Land verkaufen, liebt es, so wie wir es liebten, kümmert euch, so wie wir uns kümmerten, behaltet die Erinnerung an das Land so, wie es ist, wenn ihr es nehmt. Und mit all eurer Stärke, eurem Geist, eurem Herzen erhaltet es für eure Kinder und liebt es - so wie Gott uns alle liebt.
Denn eines wissen wir - unser Gott ist derselbe Gott. Diese Erde ist ihm heilig. Selbst der weiße Mann kann der gemeinsamen Bestimmung nicht entgehen. Vielleicht sind wir doch - Brüder. Wir werden sehen."

*Diese Rede wurde 1855 von Chief Seattle, Häuptling der Duwamish-Indianer, vor dem Kongreß der Vereinigten Staaten von Amerika gehalten.

Diese Erzählung von einer Rede des Häuptlings Seattle wurde bereitgestellt durch die Webseite: http://www.humanistische-aktion.de

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Eine kleine Vor-Auswahl

Vorwort

Auch wenn sie in der Bibel zu Hause sind sollten sie unbedingt das Vorwort dieser Webseite lesen!

Der Sündenfall

Der Beginn der Menschheit aus der Sicht der Schöpfungsgeschichte.

Die Bergpredig

Jesus erklärt dem Mensch seinen Sinn und sein Aufgabe in der Welt.

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Thomasevangelium

Aus den Neutestamentarischen Apokryphen.