Das Thomas Evangelium

114 Jesus Logien (Sprichworte)  

Koptisches Thomasevangelium 

Das Thomasevangelium ist ein oft umstrittenes Papyrus, das erst 1945 in Nhag Hamadi wieder gefunden wurde, nachdem es viele Jahrhunderte als verschollen galt, aber immer wieder in historischen Schriften erwähnt wurde. Sowohl Atheisten wie auch allerlei obskure Sekten beziehen sich darauf allerdings nur deshalb, weil sie den Inhalt nicht verstanden haben. Die gnostischen Einflüsse, die diesem Evangelium zugeschrieben werden, sind wohl nicht gänzlich zu bestreiten, aber sie sind auch kein eklatanter Widerspruch zu den vier Evangelien der Bibel. Die historische Authentizität ist jedenfalls belegt, das Thomasevangelium wird ins Jahr 40 n.Ch.(bis 350) oder sogar früher datiert.

Dies sind die geheimen Worte, die der lebendige Jesus sagte; Didymos Thomas hat sie aufgeschrieben. 

(1): Und er sagte: "Wer die Erklärung dieser Worte findet, wird den Tod nicht schmecken."

(2): Jesus sagte: " Der Suchende soll nicht aufhören zu suchen, bis er findet. Und wenn er findet, wird er in Erschütterung geraten; und (wenn) er erschüttert ist, wird er in Verwunderung geraten, und er wird König über das All werden."

Wer die Einleitung dieser Webseite gelesen hat, weiß bereits, dass Jesus hier den Menschen meint, der nach der Liebe und der Aussöhnung mit dem Leben sucht, denn nur er ist es, der vor Gott besteht, sich die Vollkommenheit des Charakters erarbeitet hat und somit frei von Sünde ist.

(3): Jesus sagte: "Wenn jene, die euch (ver)führen, zu euch sagen: ,Siehe, das Königreich ist im Himmel`, (so) werden euch die Vögel des Himmels zuvorkommen. Sagen sie zu euch: ,Es ist im Meer`, (so) werden euch die Fische zuvorkommen. Aber das Königreich ist innerhalb von euch und außerhalb von euch. Wenn ihr euch erkennt, dann werdet ihr erkannt werden; und ihr werdet wissen, daß ihr die Söhne des lebendigen Vaters seid. Wenn ihr euch aber nicht erkennt, seid ihr in Armut, und ihr seid die Armut."

(4): Jesus sagte: "Der in seinen Tagen alte Mann wird nicht zögern, ein kleines Kind (im Alter) von sieben Tagen nach dem Ort des Lebens zu fragen, und er wird leben, denn viele Erste werden Letzte sein und sie werden ein Einziger werden."

(5): Jesus sagte: "Erkenne, was vor deinem Angesicht ist, das, was dir verborgen ist. Es wird sich dir offenbaren, denn es gibt nichts Verborgenes, das nicht geoffenbart wird."

Unmissverständlich kündigt hier Jesus die Offenbarung Gottes an, durch die der Mensch zu neuer Erkenntnis gelangt.

(6): Seine Schüler  fragten ihn; sie sagten zu ihm: "Willst du, daß wir fasten? Und auf welche Weise sollen wir beten? Almosen geben? Und welche Speise sollen wir beachten?" Jesus sagte: "Lügt nicht! Und das, was ihr haßt, tut nicht. Denn enthüllt ist alles vor dem Himmel. Denn es gibt nichts Verborgenes, das nicht offenbar werden wird, und es gibt nichts Verdecktes, das ohne Enthüllung bleiben wird."

Dieser Satz führt uns wieder einmal vor Augen, wie wenig Jesus von Regeln und Riten hielt. Im krassen Gegensatz zu dem Verständnis damaliger und auch heutiger Religionsausübung verlangt Jesus vom Menschen „nur“, auf seine Persönlichkeitseigenschaften und die damit verbundenen Worte und Taten zu achten.


(7): Jesus sagte: "Selig ist der Löwe, dieser, den der Mensch fressen wird. Und der Löwe wird Mensch (werden). Und verabscheuungswürdig ist der Mensch, dieser, den der Löwe fressen wird. Und der Löwe wird Mensch werden." Im Grunde ist diese Ausdrucksweise für Jesus sehr untypisch. Es ist zu vermuten, dass sie ihm von Gnostikern untergeschoben worden ist. Zu damaliger Zeit gab es allerdings eine Mythologie um den Löwen-Menschen, was Jesus vielleicht doch zu dem Gleichnis verleitet haben mag. Das alte mythologische Bild der Menschengestalt mit Löwenkopf hat Jesus dann als Umschreibung für den Königsstatus genutzt. Der König der Tiere darf sich also glücklich schätzen, von dem König aller Geschöpfe, dem Menschen, gefressen zu werden. Verabscheuungswürdig ist aber der Mensch, der einen Löwen frisst, weil er seinem Status nicht gerecht wird und damit weniger wert ist als der Löwe. (8): Und er sagte: "Der Mensch gleicht einem einsichtigen Fischer, diesem, der sein Netz ins Meer warf; er zog es heraus aus dem Meer, als es voll war von kleinen Fischen. In ihrer Mitte fand der einsichtige Fischer einen großen Fisch, einen guten. Er warf alle kleinen Fische weg hinunter in das Meer wählte den großen Fisch ohne Zögern. Wer Ohren hat zu hören, möge hören!"

(9): Jesus sagte: "Siehe, es kam heraus der Sämann, er füllte seine Hand, er warf, einige fielen auf den Weg; es kamen die Vögel, pickten sie auf. Andere fielen auf den Felsen und sandten keine Wurzeln hinunter in die Erde und trieben keine Ähren in den Himmel. Und andere fielen auf die Dornen; sie erstickten den Samen und der Wurm fraß sie. Und andere fielen auf gute Erde. Sie brachte gute Frucht hervor. Sie kam auf 60 je Maß und 120 je Maß."

Wie auch in den Evangelien der Bibel sagt Jesus mit dem Gleichnis, dass Gott es ist, der von den Menschen etwas erwartet, und dass es Menschen gibt, die diesem Maß gerecht werden, während die anderen schlicht wertlos sind.


(10): Es sagte Jesus: "Ich habe Feuer auf die Welt geworfen und siehe, ich hüte es, bis sie lodert."

(11): Jesus sagte: "Dieser Himmel wird vergehen und der über ihm wird vergehen. Die Toten leben nicht und die Lebenden werden nicht sterbe. In den Tagen, (da) ihr Totes aßet, machtet ihr es lebendig. Wenn ihr im Licht seid, was werdet ihr tun? An dem Tag, als ihr eins wart, wurdet ihr zwei. Wenn ihr aber zwei geworden seid, was werdet ihr (dann) tun?" 

Auch diese Worte sind den biblischen Evangelien ähnlich, denn für Jesus leben die „seelisch“ toten Menschen nicht wirklich, da emotional entartet, und die seelisch Lebenden werden ewig leben, auch wenn sie sterben, denn die Seele besteht weiter auch ohne Körper. Das, was Jesus aber mit dem Licht (Liebe) meint, sollte man einmal im Leben selbst gefühlt haben, beschreiben kann ich das schlecht.


(12): Die Schüler sagten zu Jesus: "Wir wissen, daß du von uns gehen wirst. Wer ist es, der (dann) über uns groß sein wird?" Jesus sagte zu ihnen: "An dem Ort, an den ihr gekommen seid, werdet ihr zu Jakobus, dem Gerechten gehen, dessentwegen der Himmel und die Erde entstanden sind."

Jakobus, der Gerechte (in der Exegese auch als „Herrenbruder Jakobus“ bezeichnet), war als „Bruder des Herrn (Jesus)“ eine zentrale Gestalt der Jerusalemer Urgemeinde. Wie Jesus hat er das Bild benutzt, um die Offenbarung zu verkünden. Jesus hat hier seinen Bruder vor Gott gemeint und nicht etwa seinen leiblichen, wie irrtümlich oft angenommen.

Dieses Missverständnis hat die katholische Kirche zu einem Gegner des Thomasevangeliums gemacht, weil sie die Unberührtheit Marias in Gefahr sah. Zu Unrecht natürlich, wenn man versteht, was Jesus sagen wollte.


(13): Jesus sagte zu seinen Jüngern: "Vergleicht mich, sagt mir, wem ich gleiche." Simon Petrus sagte zu ihm: "Du gleichst einem gerechten Engel." Matthäus sagte zu ihm: " Du gleichst einem Menschen,  einem verständigen Philosophen." Thomas sagte zu ihm: "Meister, auf keinen Fall wird es mein Mund ertragen, daß ich sage, wem du gleichst!" Jesus sagte: "Ich bin nicht dein Meister, da du getrunken hast, trunken geworden bist von der sprudelnden Quelle, die ich gemessen habe." Und er nahm ihn, er zog sich zurück  sagte ihm drei Worte. Als Thomas aber zu seinen Gefährten kam, fragten sie ihn: "Was hat Jesus dir gesagt?" Es sagte Thomas zu ihnen: "Wenn ich euch eines von den Worten sage, die er mir gesagt hat, werdet ihr Steine aufheben und nach mir werfen; und Feuer wird aus den Steinen kommen und euch verbrennen." 

Spekulationen über das, was Jesus hier Thomas (der Name stammt aus dem aramäischen „te‘oma“ und bedeutet „Zwilling“ ) gesagt haben mag, sind durchaus legitim.


(14):
Es sagte Jesus zu ihnen: "Wenn ihr fastet, werdet ihr euch Sünde schaffen. Wenn ihr betet, werdet ihr verurteilt werden. Und wenn ihr Almosen gebt, werdet ihr eurem Geiste etwas Schlechtes tun. Und wenn ihr in irgendein Land geht und in den Gegenden wandelt, wenn man euch aufnimmt, so eßt, was man euch vorsetzten wird; die Kranken unter ihnen, heilt sie. Denn was in euren Mund eingehen wird, wird euch nicht verunreinigen. Aber was aus eurem Mund herauskommt, das ist es, was euch verunreinigen wird."

Diese prägnanten kurzen Sätze sind oft unter dem Zeitverständnis revolutionärer Ansichten mit einer so schlichten Sprache, die auf geniale Weise alles aussagte, was man wissen muss. Jesus reduziert und relativiert hier alle Moralvorstellungen,Regeln und Kulturelle Verhaltensmaßstäbe auf das individuelle Verständnis. Selbst das Fasten und das Gebet ist demnach Sünde wenn der Mensch in seinem Herzen fern von der Liebe zum Leben ist. Für Juden und Religiöse „Rechtgläubige und Rechtschaffende“, die das täglich Leben mit gottgefälligen Regeln füllten, ist dieser Jesus sicher ein Graus gewesen, und für die Menschen, die ihm folgen, wohl oft aufgrund der Schlichtheit in den Aussagen ein Rätsel.


(15): Jesus sagte: "Wenn ihr den seht, der nicht von einer Frau geboren ist, werft euch auf euer Antlitz nieder, betet ihn an. Jener ist euer Vater." 

Was Jesus meint ist: Betet niemand an.


(16): Jesus sagte: "Vielleicht denken die Menschen, daß ich gekommen bin, um Frieden auf die Welt zu werfen, und sie wissen nicht, daß ich gekommen bin, um Spaltungen auf die Erde zu werfen, Feuer, Schwert, Krieg. Es werden nämlich fünf in einem Hause sein. Drei werden gegen zwei und zwei gegen drei sein, der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater. Und sie werden als Einzelne dastehen."

Jesus wusste natürlich zu seinen Lebzeiten, dass er den jüdischen Erwartungen des Messias nicht gerecht werden konnte. Auch war ihm klar, dass sein Wirken nicht den erhofften Volksfrieden hervorbringen, sondern seine Religion die Menschen entzweien und Feuer, Schwert und Krieg mit sich bringen würde. Das jüdische Volk hat schmerzhaft am eigenen Leib zu spüren bekommen, was Jesus hier weissagte. Das Haus aber steht als Symbol für uns selbst. Mit den Sinnesorganen erfasst man physiologisch die Wahrnehmung der Umwelt, durch die fünf Sinne des Tastens, Riechens, Schmeckens, Hörens und Sehens. Ihnen alleine kann der Mensch glauben und wieder seinem Vater, seiner Mutter und seinen Kindern trauen. Das, was Jesus will, ist den bedingungslosen Individualisten, der nur der objektivierten Wahrheit und Wirklichkeit folgt und auf das Gefühl hört, statt fremdbestimmt zu handeln.


(17): Jesus sagte: "Ich werde euch geben, was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und was keine Hand berührt hat und was in keines Menschen Sinn gekommen ist."

Gemeint ist unsere seelische Gefühlsstruktur, die ohne Jesus nicht so wäre, wie sie heute ist.


(18): Die Schüler sagten zu Jesus: "Sage uns, in welcher Weise unser Ende sein wird!" Jesus sagte: "Habt ihr denn schon den Anfang entdeckt, daß ihr nach dem Ende fragt? An dem Ort, wo der Anfang ist, dort wird das Ende sein. Selig ist, wer am Anfang stehen wird. Und er wird das Ende erkennen und den Tod nicht kosten." 

Der Ort, der von Jesus als Anfang und Ende bezeichnet wird, ist unser Herz, Symbol unserer Gefühlswelt, in der wir ursächlich und von Beginn an heil sind. Die Seele ist natürlich auch über den Tod hinaus existent, und der physische Tod kann dem „heilen“ Seelenleben nichts anhaben.


(19): Jesus sagte: "Selig ist der, der war, bevor er wurde. Wenn ihr mir Schüler werdet und meine Worte hört, werden euch diese Steine dienen. Denn ihr habt fünf Bäume im Paradies, die sich im Sommer im Winter nicht bewegen und deren Blätter niemals abfallen. Wer sie kennen wird, wird den Tod nicht schmecken." 

Auch hier sind die fünf Sinne des Menschen gemeint.


(20): Die Schüler sagten zu Jesus: "Sag uns -- das Königreich der Himmel, wem gleicht es?" Er sagte zu ihnen: "Es gleicht einem Senfkorn. Es ist kleiner als alle Samen. Wenn es aber auf die Erde fällt, die man bearbeitet, treibt es einen großen Sproß und wird den Vögeln des Himmels zum Schutz sein."

Wie auch in den Evangelien der Bibel stellt Jesus hier den Entwicklungsprozess der Welt dar. Er begriff sich und mit ihm die Menschheit als einen vorübergehenden Werdegang, der seine Erfüllung in der ihm gleichen seelisch-geistigen Vollkommenheit hat.


(21): Mariham sagte zu Jesus: "Deine Schüler, wem gleichen sie?" Er sagte: "Sie gleichen kleinen Kindern, die sich auf einem Feld nieder gelassen haben, das ihnen nicht gehört. Wenn die Herren des Feldes kommen, werden sie sagen: 'Überlaßt uns unser Feld!' Sie sind nackt vor ihnen (oder: ziehen sich aus vor ihnen), damit sie es ihnen überlassen und ihnen ihr Feld geben. Deswegen sage ich: Wenn der Hausherr weiß, daß der Dieb kommen wird, wird er wachen, bevor er kommt, er wird ihn nicht einbrechen lassen in sein Haus seines Königreiches, damit er seine Sachen wegtrage. Ihr aber, wacht angesichts der Welt, gürtet eure Lende mit großer Kraft, damit die Räuber keinen Weg finden, zu euch zu kommen! Denn der Nutzen, nach dem ihr Ausschau haltet, wird gefunden werden. Möge unter euch ein verständiger Mensch sein! Als die Frucht reifte, kam er eilends mit seiner Sichel in seiner Hand, er schnitt sie ab. Wer Ohren hat zu hören, möge hören." 

Gott ist der Hausherr dieser Welt und die Jünger, die noch nicht die Vollkommenheit Jesu erreicht haben. Das Gleichnis ist eine Ermahnung an den Menschen, nicht von der Arbeit an sich abzulassen und in der Gewissheit zu leben, dass der von Gott akzeptierte Mensch auf dieser Welt am Ende seine Berechtigung hat.


(22): Jesus sah kleine Kinder, die gesäugt wurden. Er sagte zu seinen Schülern: "Diese kleinen Kinder, die gesäugt werden, gleichen denen, die in das Königreich eingehen." Sie sagten zu ihm: "Werden wir, indem wir klein sind, in das Königreich eingehen?" Jesus sagte zu ihnen: "Wenn ihr die Zwei (zu) Einem macht und wenn ihr das Innere wie das Äußere macht und das Äußere wie das Innere und das Obere wie das Untere und wenn ihr das Männliche und das Weibliche zu einem einzigen macht, damit das Männliche nicht männlich ist, das Weibliche (nicht) weiblich ist, wenn ihr Augen macht statt eines Auges und eine Hand statt einer Hand und einen Fuß statt eines Fußes, ein Bild statt eines Bildes, dann werdet ihr [in das Königreich] eingehen."

Wie im Sündenfall beschrieben, ist hier die psychische Einheit gemeint, die es für den Menschen zu erreichen gilt, die Identifizierung mit dem eigenen menschlichen Dasein, mit dem Gefühl und damit mit der Seele außerhalb der Geschlechterrollenidentifizierung und außerhalb einer Pseudoidentität, die als Folge eines anerzogenen Rollenverständnisses steht. Für Jesus als Stellvertreter des seelisch heilen Menschen gibt es nur eine Wahrheit und Identifikation mit dem Leben – die des eigenen Herzens und der Lebenserfahrungen des Tages. Eine Identifikation mit Gruppen oder Staaten, also territoriales Verständnis, ist dem gesunden Denken zuwider. Selbst eine Identifikation mit der auszuübenden Tätigkeit, also mit dem Beruf versteht Jesus als Pseudoidentität, weil berufliches Handeln genau so ritualisiertes und reproduziertes Handeln sein kann und fern von der eigentlichen Gefühlsstruktur und Situationswahrnehmung ablaufen kann.


(23): Jesus sagte: "Ich werde euch auswählen, einen unter tausend und zwei unter zehntausend; und sie werden als ein einziger dastehen."

(24): Seine Schüler sagten: "Zeige uns den Ort, an dem du bist, denn es für uns eine Notwendigkeit, nach ihm zu suchen." Er sagte zu ihnen: "Wer Ohren hat, möge hören. Es ist Licht im Inneren eines Lichtmenschen, und er erleuchtet die ganze Welt. Wenn er nicht leuchtet, ist Finsternis." 

(25): Jesus sagte: "Liebe deinen Bruder wie deine Seele, hüte ihn wie deinen Augapfel."

(26): Jesus sagte: "Den Splitter im Auge deines Bruders siehst du, den Balken in deinem Auge aber siehst du nicht. Wenn du den Balken aus deinem Auge herausziehst, dann wirst du (genug) sehen, um (auch) den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen."

Diese klare Forderung, zunächst bei seinen eigenen Fehlern und falschen Lebenseinstellungen anzufangen, um dann den anderen Menschen zu helfen, sich selbst zu erkennen, um Licht zu werden bzw. Liebe wahrzunehmen, zeigt, dass Jesus davon ausging, dass wohl nur die allerwenigsten Menschen ohne Pseudoidentität groß werden. Dass wir also Rollenverhalten leben, statt psychische Freiheit auszuleben. Und dass der Mensch, der ersteres lebt, die Fehler anderer Menschen sieht und beurteilt, liegt in der Natur der Sache.


(27): (Jesus sagte): "Wenn ihr nicht fastet angesichts der Welt, werdet ihr das Königreich nicht finden. Wenn ihr den Sabbat nicht als Sabbat begeht, werdet ihr den Vater nicht sehen." 

(28): Jesus sagte: "Ich stand in der Mitte der Welt, und ich erschien ihnen im Fleisch. Ich fand sie alle trunken, ich fand nicht einen unter ihnen, der durstig war. Und meine Seele litt Schmerz über die Söhne der Menschen; denn sie sind blind in ihrem Herzen, und sie sehen nicht, daß sie leer in die Welt gekommen sind und wiederum leer aus der Welt zu kommen trachten. Nun zwar sind sie betrunken. Wenn sie ihren Wein abgeschüttelt haben, dann werden sie umkehren." 

Mit diesen Worten stellt Jesus den Menschen ein Armutszeugnis aus und bringt recht eindeutig sein Verhältnis zu den Menschen, aber auch sein Unverständnis zum Ausdruck.


(29): Jesus sagte: "Wenn das Fleisch wegen des Geistes entstanden ist, ist es ein Wunder. Wenn aber der Geist wegen des Körpers entstanden ist, ist es ein Wunder der Wunder. Aber ich wundere mich darüber, wie dieser große Reichtum in dieser Armut Wohnung genommen hat." 

Nach dem Lebensverständnis Jesu hat nicht der Mensch das Denken und damit die Fähigkeiten des Geistes hervorgebracht, sondern die Natur eine Spezies, die zu großen geistigen Leistungen fähig ist. Er selber aber gebar, um die reine Seele im Körper zu vervollkommnen, was er das Wunder aller Wunder nennt. Wie aber die Prioritäten verteilt sind, stellt er hier unmissverständlich klar.


(30): Jesus sagte: "Wo drei Götter sind, sind sie Götter; wo zwei oder einer sind, -- ich bin mit ihm." 

Jesus ist dort, wo die Liebe ist, und das ist mehr denn alles.


(31): Jesus sagte: "Kein Prophet ist willkommen angenommen in seinem Dorf. Kein Arzt heilt die, die ihn kennen."

Ein interessanter Hinweis darauf, dass Jesus in seinem eigenen Dorf, in dem er aufwuchs, nichts galt. Das verwundert nicht, wenn man Jesus eine ganz normale menschliche Entwicklung zuspricht, eine Kindheit mit Familie, Freunden, Schule und Arbeit, wie sie zu den damaligen Verhältnissen normal und alles andere als ungewöhnlich war. Das entspricht auch einem Lebensweg, der nötig ist, um Menschenkenntnis zu sammeln und normale, der Zeit entsprechende Verhaltensmechanismen zu erfahren und gängige Sprache zu verstehen. Das Sehen und Sprechen von Gleichnissen sowie seine Wortgewandtheit sind ganz sicher nicht nur vom Himmel gefallen, sondern Folge von Konfrontationen und Lebenserfahrung, die ein Mensch dort erlebt, wo er groß wird und den Tag bewältigt.


(32): Jesus sagte: "Eine Stadt, die man auf einem hohen Berg erbaut, wobei sie befestigt ist, kann nicht fallen noch wird sie verborgen sein können."

Auch das ist ein Hinweis auf seine eigene Person und darauf, dass ein Mensch, der herausragt, nicht verborgen bleibt.

(33): Jesus sagte: "Das, was du mit deinem Ohr mit dem anderen Ohr hören wirst, verkündige auf euren Dächern. Denn niemand zündet eine Lampe an und stellt sie unter den Scheffel noch stellt er sie an einen verborgenen Ort, sondern er setzt sie auf den Leuchter, damit alle, die hereinkommen und die hinausgehen, ihr Licht sehen."

Dass man das Licht (Stärke) nicht unter den Scheffel* stellen soll, ist auch heute noch eine relativ gängige Redewendung, allerdings muss man als Mensch diese Stärke oft erst suchen und finden.

(*Der Scheffel ist ein schaufelartiges Gefäß, das früher als Getreidemaß verwendet wurde. Ein Licht, das man unter den Scheffel stellt, leuchtet nicht weit.)


(34): Jesus sagte: "Wenn ein Blinder einen Blinden führt, fallen sie beide hinunter in eine Grube."

(35): Jesus sagte: "Es ist unmöglich, daß jemand in das Haus des Starken hineingeht und es gewaltsam in Besitz nimmt, es sei denn, er binde seine Hände. Dann wird er sein Haus umdrehen."

Das Haus, eine sehr häufig benutzte Metapher von Jesus, ist damals wie heute ein Traumsymbol für uns selbst. Das Unbewusste spricht nachts, und nicht nur dann zu uns, um Geschehnisse zu verarbeiten. Das Unbewusste vermag es, dem Bewusstsein etwas zu verdeutlichen, wenn wir Menschen lernen, uns anhand unseres Unbewussten zu verstehen. Was Jesus hier den Menschen ins Bewusstsein führen will, ist die Tatsache, dass ein Mensch unmöglich von äußeren Dingen zerstört wird, es sei denn, er hört auf, tätig zu sein. Dann verändert er sich bis zur Unkenntlichkeit.


(36): Jesus sagte: "Sorgt euch nicht vom Morgen bis zum Abend und vom Abend bis zum Morgen, was ihr anziehen werdet!"

Das Wort ist zweideutig, denn, wie vorher erwähnt, versinnbildlicht die Kleidung unsere Religion bzw. unser Verhältnis zu Gott. Sorglosigkeit ist deshalb eine Tugend, weil sie Vertrauen impliziert.


(37): Seine Schüler sagten: "An welchem Tag wirst du uns offenbaren und an welchem Tag werden wird dich sehen?" Jesus sagte: "Wenn ihr eure Scham ablegt und eure Kleider nehmt, sie unter eure Füße legt, wie die kleinen Kinder, sie zertretet, dann [werdet] ihr den Sohn des Lebendigen [sehen], und ihr werdet euch nicht fürchten." 

Und erneut der Hinweis auf unsere Kleidung, nur diesmal in andere Worte gekleidet, denn hier ist das Ablegen der anerzogenen kulturell spezifischen Religion oder auch das atheistische Lebensverständnis gemeint. Wer sein Wesen erkennt, findet Jesus und Gott.


(38): Jesus sagte: "Oftmals habt ihr gewünscht, diese Worte zu hören, diese, die ich euch sage, und ihr habt (5) niemanden sonst, um sie von ihm zu hören. Es werden Tage kommen, wo ihr mich suchen und nicht finden werdet." 

(39): Jesus sagte: "Die Pharisäer und die Schriftgelehrten haben die Schlüssel der Erkenntnis empfangen; sie versteckten sie. Sie sind selbst nicht hineingegangen, und die hineingehen wollten, ließen sie nicht. Ihr aber, werdet klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben."

Es birgt eine wirkliche Tragik, dass die Menschen, die die Bibel lehren und den Schlüssel zur Erkenntnis haben, nicht wirklich danach suchen. Jesus spricht ihnen hier einmal mehr jede Lauterkeit ab und fordert von seinen Jüngern Wahrhaftigkeit.


(40): Jesus sagte: "Ein Weinstock ist außerhalb des Vaters gepflanzt worden; und da er ohne Kraft ist, wird er samt seiner Wurzel ausgerissen werden und zugrunde gehen."

Mit dem Wein ist hier wieder unsere Religion gemeint und damit unsere Lebensaufgabe. Wer, ohne ihr zu folgen, lebt, ist zu nichts nütze und geht zugrunde.

(41): Jesus sagte: "Wer in seiner Hand hat, dem wird gegeben werden; wer nicht hat, dem wird auch das Wenige, das er hat, weggenommen werden." 

Der Verweis auf unsere Handlungsweise tritt an dieser Stelle ziemlich deutlich zutage. Jesus betont immer wieder, wie sehr wir selber für das, was uns gegeben und genommen wird, verantwortlich sind.


(42): Jesus sagte: "Werdet Vorübergehende!"

Für Jesus ist der Tod nichts Falsches, und damit ist ein Lebensverständnis falsch, in dem wir uns eben nicht als Vorübergehende bewusst von dem Leben lösen können. Trauer empfindet ein Vollkommener zwar auch, aber im Bewusstsein, dass ein Mensch seine Lebensaufgabe bewältigt hat, ist ihm der Tod auch Freund. Wenn Sie also jemanden sehen, der am Grab seiner Nächsten nicht in sich gekehrt, sondern aufgeschlossen ist, mag das wohl zunächst seltsam anmuten, weil es nicht der Norm entspricht, aber hüten Sie sich vor einem voreiligen Urteil. Haben Sie keine Angst vor dem Tod, sondern vor einem nicht gelebten und geforderten Leben.


(43): Seine Schüler sagten zu ihm: "Wer bist du, der du uns dies sagst?" Jesus: "Durch das, was ich euch sage, versteht ihr nicht, wer ich bin. Vielmehr seid ihr aber den Juden gleich geworden, denn sie lieben den Baum, sie hassen seine Frucht, oder sie lieben die Frucht, sie hassen den Baum." 

Diese seltsame und zunächst widersprüchlich anmutende Ausdrucksweise ist Jesus zu eigen. Dabei versinnbildlicht der Baum Gott und offenbart damit die Ambivalenz jüdischen Lebensverständnisses. Für Jesus war und ist die Liebe zum Leben das Maß der Dinge, eine Diskrepanz zwischen dieser Welt und der Welt Gottes, wie herkömmliche Religionen sie predigten und wie gelebt wurde, war für ihn ein Affront gegen das Leben.


(44): Jesus sagte: "Wer den Vater lästern wird, dem wird man vergeben; wer den Sohn lästern wird, dem wird man vergeben; wer aber den Heiligen Geist lästern wird, dem wird man nicht vergeben, weder auf der Erde noch im Himmel."

(45): Es sagte Jesus: "Man erntet nicht Trauben von Dornensträuchern, noch pflückt man Feigen von Kameldisteln; denn sie geben keine Frucht. Guter Mensch bringt hervor Gutes aus seinem Schatze; ein schlechter Mensch bringt Schlechtes aus seinem schlechten Schatz hervor, der in seinem Herzen ist, und sagt Schlechtes. Denn aus dem Überfluß des Herzens bringt er Schlechtes hervor." 

(46): Es sagte Jesus: "Von Adam bis Johannes dem Täufer gibt es unter den von Frauen Geborenen keinen Höheren als Johannes den Täufer; denn seine Augen werden nicht brechen. Ich aber habe gesagt: 'Wer unter euch klein sein wird, der wird das Königreich erkennen und wird größer sein als Johannes' ".

(47): Jesus sagte: "Es ist unmöglich, daß ein Mensch zwei Pferde besteigt oder zwei Bögen spannt; und es ist unmöglich, daß ein Diener zwei Herren dient oder er wird den einen ehren und den anderen schlecht behandeln. Niemand trinkt alten Wein und begehrt sofort, neuen Wein zu trinken; und man gießt nicht neuen Wein in alte Schläuche, damit sie nicht zerreißen; und man gießt nicht alten Wein in einen neuen Schlauch, damit er ihn nicht verdirbt. Man näht nicht einen alten Lappen auf ein neues Kleid, weil ein Riß entstehen würde; denn es würde reißen."

Siehe dazu auch Matthäus 5.


(48): Jesus sagte: "Wenn zwei miteinander Frieden schließen im gleichen Haus, werden sie zum Berg sagen: ,Hebe dich hinweg!` Und er wird sich hinwegbewegen."

Das Haus steht als Symbol für den Menschen, die zwei (die Seele), die Frieden schließen sollen, sind, wie im Sündenfall beschrieben, laut der psychologischen Lehre C. G. Jungs der seelische Aspekt des Animus (lat. „Geist“) und der Anima (lat. „Seele“). Demnach hat die Seele, vereinfacht gesagt, einen unbewussten männlich rationalen, geistigen Aspekt und einen weiblich emotionalen. Die Anima wirkt als unbewusste Gefühlsseite des Mannes, und der Animus als unbewusste Geistigkeit der Frau. Nach jüdischem Verständnis entspricht das dem sinnlichen und dem geistigen Prinzip.


(49): Jesus sagte: "Selig sind die Einzelnen und Auserwählten, denn ihr werdet das Königreich finden; denn ihr stammt aus ihm und  aufs Neue werdet ihr dorthin gehen."

Der Einzelne ist für Jesus so wesentlich, weil nur ein Mensch, der sich als Einzelner versteht, als Individualist handelt. Nur der „Ungebundene“ ist in seinem Denken und Handeln am Ende frei, und nur er kann objektiv sehen und urteilen, weil er ohne menschliche Bindung ist. Nur er erfasst mit seinem Herzen Recht und Unrecht einer Situation. Frei zu sein von politischer Bildung, von religiöser und kultureller Integrität ist unser Ziel als Einzelner, denn so sind wir geboren worden, und so sollten wir auch wieder gehen.


(50): Jesus sagte: "Wenn man zu euch sagt: 'Woher seid ihr gekommen?', sagt zu ihnen: 'Wir sind aus dem Licht gekommen, dem Ort, wo das Licht durch sich selbst geworden ist. Es war selbst, und es erschien in seinem Bild. Wenn man zu euch sagt: 'Wer seid ihr?', sagt: 'Wir sind seine Söhne und wir sind die Auserwählten des lebendigen Vaters'. Wenn man euch fragt: 'Was ist das Zeichen eures Vater in euch?', sagt zu ihnen: 'Bewegung ist es und Ruhe'." 

Psychologisch ist diese Stelle sehr einfach mit Introversion und Extraversion zu erklären. Introversion und Extraversion sind zwei Pole einer Persönlichkeitseigenschaft. Die Begriffe werden in der differentiellen Psychologie gebraucht, um die Interaktion mit der Umwelt zu charakterisieren. Bezeichnend ist hier, dass Jesus die Gegensätzlichkeiten zur Einheit erklärt.


(51): Seine Schüler sagten zu ihm: "An welchem Tag wird die Ruhe der Toten eintreten? Und an welchem Tag wird die neue Welt kommen?" Er sagte zu ihnen: "Jene, nach der ihr Ausschau haltet, ist gekommen, aber ihr erkennt sie nicht." 

(52): Seine Schüler sagten zu ihm: "Vierundzwanzig Propheten haben in Israel gesprochen, und alle haben gesprochen von dir." Er sagte zu ihnen: "Ihr habt den, der in eurer Gegenwart lebt gelassen, und ihr habt von den Toten gesprochen." 

Deutlich wird hier, dass die Schüler Jesus wohl nicht immer verstanden haben, denn Jesus wartete nicht auf eine neue Welt, sondern er verkörperte sie bereits. Jesus lebte in der Gegenwart und aus ihr heraus, ohne nach dem Gestern zu fragen und ohne nach dem Zukünftigen zu trachten. Wer in ihr besteht, ist seelisch lebendig, frei und frisch. Er sprach nicht über Tote, weil er das Leben liebte und die Gegenwart lebte. Er konzentrierte sich nur darauf und erfasste in ihr alles, was wesentlich war.


(53): Seine Schüler sagten zu ihm: "Nützt die Beschneidung oder nicht?" Er sagte zu ihnen: "Wenn sie nützlich wäre, würde ihr Vater sie aus ihrer Mutter beschnitten zeugen. Aber die wahre Beschneidung im Geiste hat vollen Nutzen gefunden."

(54): Jesus sagte: "Selig sind die Armen, denn euer ist das Königreich der Himmel."

(55): (25) Jesus sagte: "Wer nicht seinen Vater haßt und seine Mutter, wird mir nicht Schüler sein können. Und (wer) seine Brüder (nicht) haßt und seine Schwestern (und nicht) sein Kreuz trägt wie ich, wird meiner nicht würdig sein." 

Klare Aussage für den Stellenwert, den sich dieser Mann selbst eingeräumt hat, weil er die ihm gestellte Aufgabe erfüllte. Die zwingende Erkenntnis, die uns zu Einzelnen machen wird, geht mit einer Entfremdung innerhalb der gelebten Rollen einher. Der Hass im engsten Familienkreis ist nur zu gut nachvollziehbar, denn gerade hier findet Konfrontation häufig nicht statt, vielmehr wird die Über-Ich-Entwicklung der Kindheit als Introjekt zum verinnerlichten Ich. Das Kreuz, das die Menschen tragen müssen, um diese Mechanismen wieder abzulegen, ist gleichwohl keine sadistische Qual, sondern bringt den Menschen zurück ins Paradies.


(56): Jesus sagte: "Wer die Welt erkannt hat, hat einen Leichnam gefunden. Und wer einen Leichnam gefunden hat, dessen ist die Welt nicht würdig." 

Manchmal muss man über die Ausdrucksweise von Jesus staunen. Für Jesus war der Mensch ohne die seelische und charakteristische Vollkommenheit ein Leichnam im Hier und Jetzt. Aus seiner Sicht wandelt der Mensch, der den Bezug zu seinem Inneren verloren hat, als lebendiger Toter umher. Rast- und ruhelos, immer mit dem Ziel vor Augen, aber nie wirklich im Glücksmoment verstand er sich selbst als einer anderen Spezies zugehörig. Einer Spezies, die es wert ist, auf dieser Welt zu leben und würdig genug, weil sie das Hiersein so sieht, wie es ist.


(57): Jesus sagte: "Das Königreich des Vaters gleicht einem Menschen, der einen Samen hatte. Sein Feind kam während der Nacht säte Unkraut unter den guten Samen. Der Mann ließ sie das Unkraut nicht ausreißen. Er sagte zu ihnen: 'Auf daß ihr nicht hingeht, das Unkraut auszureißen, und den Weizen mit ihm ausreißt. Denn am Tag des Schnittes werden die Unkrautpflanzen offenbar werden, sie werden ausgerissen und verbrannt werden'. " 

Diese evolutionäre Sicht auf die Welt versucht Jesus immer wieder in seinen Metaphern einzufangen und weiterzugeben. Es ist unbestreitbar, dass es bösartige Menschen gibt, aber wie wir hier sehen, versucht Jesus Antwort darauf zu geben, weshalb Gott Bösartigkeit zulässt.


(58): Jesus sagte: "Selig ist der Mensch, der gelittten hat; er hat das Leben gefunden." 

(59): Jesus sagte: "Blickt auf den (10) Lebendigen, solange ihr lebt, damit ihr nicht sterbt und ihn zu sehen sucht und nicht werdet sehen können!" 

(60): Sie sahen einen Samaritaner, der ein Lamm trug, als er nach Judäa ging. Er sagte zu seinen Schülern: "Der um das Lamm?" Sie sagten zu ihm: "Um es zu töten und zu essen." Er sagte zu ihnen: "Solange es lebt, wird er es nicht essen, sondern wenn er es getötet hat, es ein Leichnam geworden ist." Sie sagten: "Auf andere Weise wird er es nicht machen können." Er sagte zu ihnen: "Sucht auch ihr selbst einen Ort für euch zur Ruhe, damit ihr nicht zu Leichnamen werdet und gegessen werdet!" 

(61): Jesus sagte: "Zwei werden ruhen auf einem Bett. Der eine wird sterben, der andere wird leben." Salome sagte: "Wer bist du, Mensch? Du bist auf mein Bett gestiegen und hast von meinem Tisch gegessen." Jesus sagte zu ihr: "Ich bin der, der entstanden ist aus dem, was gleich ist. Man gab mir von dem, was meines Vaters ist."  "Ich bin deine Jüngerin."  Jesus: "Deshalb sage ich: Wenn es gleich ist, wird es sich mit Licht füllen, wenn es getrennt ist, wird es sich mit Finsternis füllen." 

(62): "(35) Denen - die meiner Geheimnisse würdig sind - sage ich meine Geheimnisse. Was deine rechte Hand tun wird, deine linke soll nicht wissen, was sie tut."

(63): Jesus sagte: "Es war ein reicher Mann, der viel Vermögen hatte. Er sagte: 'Ich werde mein Vermögen verwenden, um zu säen, zu ernten, zu pflanzen, meine Scheunen mit Frucht zu füllen, damit mir nichts fehle.' Das ist es, was er dachte in seinem Herzen. Und in jener Nacht starb er. Wer Ohren hat, möge hören." 

(64): Jesus sagte: "Ein Mann hatte Gäste, und als er das Abendessen breitet hatte, schickte er seinen Diener, damit er die Gäste einlade. 

Er ging zum ersten; er sagte zu ihm: 'Mein Herr lädt dich ein.' Er sagte: 'Ich habe Geld-Forderungen an Kaufleute. Sie kommen zu mir am Abend, ich werde gehen, ihnen Anweisungen geben. Ich entschuldige mich für das Abendessen.' 

Er ging zu einem anderen, er sagte zu ihm: 'Mein Herr hat dich eingeladen.' Er sagte zu ihm: 'Ich habe ein Haus gekauft, und man verlangt nach mir für einen Tag. Ich werde keine Zeit haben.' 

Er kam zu einem anderen; er sagte ihm: 'Mein Herr lädt dich ein.' Er sagte zu ihm: 'Mein Freund wird Hochzeit feiern, und ich werde das Festmahl ausrichten. Ich werde nicht kommen können. Ich entschuldige mich.'

Er ging zu einem anderen, er sagte zu ihm: 'Mein Herr lädt dich ein.' Er sagte zu ihm: 'Ich habe ein Dorf. Ich gehe, um die Pacht zu holen. Ich werde nicht kommen können. Ich entschuldige mich.' 

Der Diener kam; er sagte zu seinem Herrn: 'Die, die du zum Abendessen eingeladen hast, haben sich entschuldigt.' Der Herr sagte zu seinem Diener: 'Geh hinaus auf die Straßen! Bringe die, die du finden wirst, damit sie am Abendessen teilnehmen! Die Käufer und die Händler werden nicht in die Orte meines Vaters eingehen."

Im Gleichnis vom Herrn, der zum Abendessen ruft, ist Gott gemeint. Es verdeutlicht sehr schön, wie Gott den Menschen positiv gesonnen ist und sie auffordert, seine Nähe wahrzunehmen. Dem Menschen aber mit seinen Dingen wie dem Handel und den Sorgen um Besitz und Status ist der Bezug zum Wesentlichen verloren gegangen. Wohl dem, der aufmerksam genug ist, zur rechten Zeit zu reagieren, und erkennt, was wirklich wesentlich ist.


(65): Er sagte: "Ein gütiger Mann hatte einen Weinberg. Er gab ihn Landarbeitern, damit sie ihn bearbeiteten und damit er seine Frucht von ihnen erhalte. 

Er schickte seinen Diener, damit die Landarbeiter ihm die Ernte seines Weinberges gäben. Sie ergriffen seinen Diener, schlugen ihn; beinahe hätten sie ihn getötet. Der Diener ging; er sagte es seinem Herrn. Sein Herr sagte: 'Vielleicht haben sie ihn nicht erkannt.'  

Er schickte einen anderen Diener. Die Landarbeiter aber schlugen den anderen. 

Darauf schickte der Herr seinen Sohn. Er sagte: 'Vielleicht werden sie sich vor meinem Sohn scheuen. Jene Landarbeiter, da sie wußten, daß er der Erbe des Weinbergs war, ergriffen sie ihn, sie töteten ihn. Wer Ohren hat, möge hören'. " 

Der aufmerksame Leser weiß, wenn er diese Stelle liest, bereits, dass der Herr Gott ist und der Weinberg die Erde darstellt, alles andere ergibt sich von selbst.


(66): Jesus sagte: "Zeig mir den Stein, diesen, den die Bauleute verworfen haben! Er ist der Eckstein."

Natürlich ist Jesus selbst der Eckstein, also der Mensch, der die tragende Rolle des Menschen lebte und der dennoch verworfen wurde.


(67): Jesus sagte: "Wer das All erkennt,  sich aber selbst verfehlt, verfehlt das Ganze." 

Nur die Selbsterkenntnis führt zu Gott, das Wissen um Gott alleine hilft niemandem. Selbsterkenntnis ist demnach kein Wissensfaktor, sondern eine Lebensaufgabe, die mit unserer Psyche und unserem Seelenverständnis zu tun hat. Die Lebenswahrnehmung ist es, die für den Menschen wesentlich ist und aus der heraus wir leben sollen. Ich bin an mehreren Stellen dieses Evangeliums darauf eingegangen, dass der Mensch nach dem Bilde Gottes keine introjezierte Über-Ich-Entwicklung und oberflächliche Bindung haben soll, um Recht und Unrecht situationsabhängig objektiv wahrzunehmen. Bewusstsein und Selbsterkenntnis sind deshalb zwingend, biologisch ausgedrückt arterhaltend wesentlich und werden den Menschen gravierend verändern. Kriege und territoriale, ja ethnische und kulturspezifische Auseinandersetzungen werden mit dem Individualitätsbewusstsein vollkommen relativiert und nivelliert. Es bedarf dann einer konkreten vorurteilsfreien, gegenwartsgebundenen Eindrucks- und Ausdrucksform mit einem sozial adäquaten Verhalten, das sich daran misst, sein Gegenüber in Frieden leben zu lassen, statt Fremdbestimmung und Macht auszuüben. Die Menschen mit starken Über-Ich-Normen und festen Regeln aus der Erziehung sind in ihrem Charakterbild durchaus ähnlich gestrickt. Ihnen ist fremdbestimmendes Verhalten zu eigen, da sie darin Sicherheit und Normalität finden, sei sie auch noch so ethisch abnormal ihre Norm. Im Islam sind die menschenverachtendsten Riten zum „Gesetz“ gemacht worden, und auch im europäischen Kulturkreis lassen sich Menschen durch eine staatspolitische Kultur und ein unpersönliches „man“ regieren. Individualität wird hier nur insofern geachtet und gewünscht, wie sie politisch konform ist. Jesus aber reduziert den Menschen geradezu auf das Persönliche und Individuelle, um ihm damit auch die volle Verantwortung für sein Handeln zu übertragen.


(68): Jesus sagte: "Ihr seid selig, wenn sie euch hassen und euch verfolgen, und sie werden keinen Platz finden an dem Ort, an dem sie euch verfolgen." 

(69): Jesus sagte: "Selig sind sie, die in ihrem Herzen verfolgt worden sind. Diese, die den Vater in Wahrheit erkannt haben. Selig sind die Hungrigen, denn der Bauch dessen, der wünscht, wird gesättigt werden." 

(70): Jesus sagte: " Wenn ihr jenes in euch hervorbringt, wird euch das, was ihr habt, erretten. Wenn ihr jenes nicht in euch habt, wird das, was ihr nicht in euch habt, euch töten." 

(71): Jesus sagte: "Ich werde dieses Haus zerstören, und niemand wird in der Lage sein, es aufzubauen." 

(72):Ein Mann sagte zu ihm: "Sage meinen Brüdern, daß sie die Sachen meines Vaters mit mir teilen." 

Er sagte zu ihm: "Oh Mensch, wer hat mich zu einem Teiler gemacht?" Er wandte sich an seine Jünger; er sagte zu ihnen: "Bin ich denn ein Teiler?"

Wegen diesen und ähnlichen Aussagen ist meines Wissens das Thomasevangelium nicht in den Kanon der Bibel aufgenommen worden. Die Aussage von Jesu bezieht sich hier aber nicht auf den Besitz von Gütern, die er mit anderen nicht teilen will, sondern vielmehr auf die Lebensaufgabe des Einzelnen, die natürlich unteilbar ist. Jesus drückt hier lediglich einen Egoismus aus, der sich aus der Individualität des Lebens ergibt und der gesund ist.

(73): Jesus sagte: "Die Ernte ist zwar reichlich, die Arbeiter aber sind wenig. Bittet aber den Herrn, daß er Arbeiter aussende zur Ernte."

(74): Er sagte: "Oh Herr, es sind viele um die Brunnen herum, es ist aber niemand in dem Brunnen."

(75): Jesus sagte: "Viele stehen an der Tür; die Einzelnen jedoch sind es, die in das Brautgemach eingehen werden." 

(76): Jesus sagte: "Das Königreich des Vaters gleicht einem Kaufmann, der eine Warenladung hat und der eine Perle fand. Jener Kaufmann war klug; er gab er die Warenladung weg und kaufte sich allein die Perle. Ihr auch, sucht nach seinem Schatz, der nicht aufhört zu bestehen, dort, wohin keine Motte kommt, um zu fressen, und kein Wurm etwas verdirbt!"

Die Aussage bedarf keiner ausführlichen Erklärung, wenn man weiß, dass der Schatz, die Perle, unser Innerstes ist. Dies ist nun keine Glaubensfrage im engeren Sinne, sondern für den Menschen nachvollziehbar, wenn er lernt, sich auf sich selbst zu besinnen.


(77): Jesus sagte: "Ich bin das Licht, dieses, das über allen ist. Ich bin das All; das All ist aus mir gekommen. Und das All ist zu mir gelangt. Spaltet ein Holz, ich bin da. Hebt den Stein auf und ihr werdet mich dort finden." 

Mit diesem Ausspruch meint Jesus natürlich seine Seele, ihre Unvergänglichkeit und Allgegenwart. Jesus hat in diesem Evangelium sehr oft vom Bild des Weltalls Gebrauch gemacht; er verstand sich als universales Ereignis, das im Geringsten wirkt und doch auf das Größte Einfluss nimmt. Mit seinem Tod ist aber die seine Seele nicht gestorben, sondern sie hat die Vollkommenheit unserer Spezies erreicht und sich damit unwiderruflich in diesem All als nennen wir es Wesensart, spezifisches Gesetz im Universum manifestiert. Lediglich unsere unzulängliche Zeitwahrnehmung erkannte dieses Gesetz bisher nicht, aber nichts ist, was nicht auch offenbar werde. Tatsächlich hat die Gnosis (Erkenntnis) als religiöse Bestrebung lange neben dem Christentum mit einer ganz ähnlichen Lehre existiert und ist wohl an ihren eigenen teils sehr merkwürdigen Riten zugrundegegangen. Die Weltauffassung entspricht zwar nicht der amtskirchlichen Lehre, Jesus hat in den kanonischen Evangelien inhaltlich jedoch Ähnliches zum Ausdruck gebracht, dafür lediglich andere Formulierungen gewählt.


(78): Jesus sagte: "Weshalb seid ihr auf das Feld hinausgegangen? Um ein Schilfrohr zu sehen, das vom Wind bewegt wird? Um einen Menschen zu sehen, der weiche Kleider trägt wie eure Könige und eure Mächtigen? Diese sind es, die weiche Kleider tragen, werden nicht in der Lage sein, die Wahrheit zu erkennen."

(79): Es sagte zu ihm eine Frau aus der Menge: "Selig der Leib, der dich getragen hat, und die Brüste, die dich ernährt haben." 

Er sagte zu ihr: "Selig, die das Wort des Vaters gehört,  es in Wahrheit gehütet haben. Denn es werden Tage kommen, daß ihr sagt: 'Selig der Leib, der nicht empfangen hat und die Brüste, die nicht geseugt haben.' " 

(80): Jesus sagte: "Wer die Welt erkannt hat, hat den Leib gefunden. Wer aber den Leib gefunden hat, dessen ist die Welt nicht würdig." 

(81): Jesus sagte: "Wer reich geworden ist, möge herrschen. Und wer Macht hat, möge darauf verzichten." 

(82): Jesus sagte: "Wer mir nahe ist, ist dem Feuer nahe. Und wer mir fern ist, ist dem Königreich fern." 

(83): Jesus sagte: "Die Bilder sind dem Menschen offenbar; und das Licht, das in ihnen ist, ist verborgen durch das Bild des Lichtes des Vaters. Es wird sich offenbaren, und sein Bild ist verborgen durch sein Licht."

(84): Jesus sagte: "Heute, da ihr euer Ebenbild seht, freut ihr euch. Wenn ihr aber eure Ebenbilder seht, die vor euch entstanden sind -- weder sterben sie, noch sind sie offenbar -- , wieviel werdet ihr ertragen?" 

Die metaphysische Interpretation versteht die Gottebenbildlichkeit als Ausdruck der Teilhabe am göttlichen Wesen und ist vom Duktus her jüdisch und gnostisch geprägt.


(85): Jesus sagte: "Adam war aus einer großen Kraft und einem großen Reichtum entstanden, und er wurde euer nicht würdig; denn wenn er würdig geworden wäre, er hätte den Tod nicht  gekostet." 

(86): Jesus sagte: "Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel haben ihr Nest. Der Sohn des Menschen aber hat keinen Ort, seinen Kopf niederzulegen und sich auszuruhen."

(87): Jesus sagte: "Erbärmlich ist der Leib, der vom Leibe abhängt. Erbärmlich ist die Seele, die von beiden abhängt."

(88): Jesus sagte: "Die Engel werden zu euch kommen zusammen mit den Propheten, und sie werden euch geben, was euch gehört. Und auch ihr, gebt ihnen, was in euren Händen ist, und sagt euch: 'An welchem Tage werden sie kommen und das ihre empfangen?' "

(89): Jesus sagte: "Weshalb wascht ihr die Außenseite des Bechers? Erkennt ihr nicht, daß der, der die Innenseite schuf, auch der ist, der die Außenseite schuf?"

(90): Jesus sagte: "Kommt her zu mir, denn sanft ist mein Joch und meine Herrschaft ist mild, und ihr werdet Ruhe für euch finden!"

(91): Sie sagten zu ihm: "Sag uns, wer du bist, damit wir an dich glauben." Er sagte zu ihnen: "Ihr prüft das Antlitz des Himmmels und der Erde, und den, der vor euch ist habt ihr nicht erkannt, und diesen Augenblick wißt ihr nicht zu prüfen?" 

(92): Jesus sagte: "Sucht, und ihr werdet finden. Aber das, wonach ihr mich in diesen Tagen fragtet, sagte ich euch an jenem Tag nicht. Jetzt will ich es sagen, und ihr fragt mich nicht danach."

(93): Jesus sagte: "Gebt das Heilige nicht den Hunden, damit sie es nicht auf den Misthaufen werfen! Werft keine Perlen vor die Säue, damit sie es nicht besudeln."

(94): Jesus: "Wer sucht, wird finden. Wer anklopft, dem wird geöffnet werden."

(95): Jesus sagte: "Wenn ihr Geld habt, verleiht es nicht mit Zinsen, sondern gebt dem, von dem ihr es nicht zurück bekommen werdet." 

(96): Jesus: "Das Königreich des Vaters gleicht einer Frau. Sie nahm ein wenig Sauerteig; sie verbarg ihn im Mehl, sie hat ihn zu großen Broten gemacht. Wer Ohren hat, möge hören."

(97): Jesus sagte: "Das Königreich gleicht einer Frau, die einen Krug voll Mehl trägt. Während sie einen weiten Weg ging  brach der Henkel des Kruges. Das Mehl strömte hinter ihr auf den Weg. Sie merkte es nicht, sie hatte kein Unheil wahrgenommen. Als sie zu ihrem Haus gelangt war, stellte sie den Krug nieder. Sie fand ihn leer." 

(98): Jesus sagte: "Das Königreich des Vaters gleicht einem Menschen, der einen mächtigen Mann töten wollte. Er zog das Schwert in seinem Haus. Er stieß es in die Wand, um zu erkennen, ob seine Hand stark wäre. Dann tötete er den Mächtigen."

(99): Die Schüler sagten zu ihm: "Deine Brüder und deine Mutter stehen draußen." Er sagte zu ihnen: "Diese hier, die den Willen meines Vaters tun, sind meine Brüder und meine Mutter. Sie sind es, die in das Königreich meines Vaters eingehen werden."

(100): Sie zeigten Jesus ein Goldstück und sagten zu ihm: "Die zum Kaiser Gehörigen verlangen von uns die Steuern." Er sagte zu ihnen: "Gebt des Kaisers, dem Kaiser! Gebt was Gottes ist, Gott. Und das, was mein ist, gebt es mir!"

(101): (Jesus sagte): "Wer seinen Vater nicht haßt und seine Mutter wie ich, wird mir nicht Schüler sein können. Und wer seinen Vater nicht liebt und seine Mutter wie ich, wird mir nicht Schüler sein können. Denn meine Mutter gab mir meinen Leib, aber meine wahre Mutter gab mir das Leben." 

(102): Jesus sagte: "Wehe den Pharisäern! Sie gleichen einem Hunde, der auf der Futterkrippe für Ochsen liegt. Denn weder frißt er, noch läßt er die Rinder fressen." 

(103): Jesus sagte: "Selig der Mensch, der weiß, an welcher Stelle die Räuber hereinkommen werden, damit er sich erhebe, seine [...]heit sammle und sich gürte um die Hüften, bevor sie hereinkommen." 

(104): Sie sagten: "Komm, laß uns heute beten und fasten." Jesus sagte: "Was ist denn die Sünde, die ich begangen habe? Oder worin waren sie mir überlegen? Wenn aber der Bräutigam aus dem Brautgemach kommt, dann sollen sie fasten und beten." 

(105): Jesus sagte: "Wer Vater und Mutter erkannt hat, wird 'Sohn der Hure' genannt werden." 

(106): Jesus sagte: "Wenn ihr die Zwei zu Einem macht, werdet ihr Söhne des Menschen werden. Und wenn ihr sagt: 'Berg, hebe dich hinweg!', wird er sich umdrehen." 

(107): Jesus sagte: "Das Königreich gleicht einem Hirten, der hundert Schafe hatte. Eines unter ihnen verirrte sich -- es war das größte. Er ließ 99 zurück; er suchte nach diesem einen, bis er es fand. Nachdem er sich abgemüht hatte, sagte er zu dem Schaf: ,Ich liebe dich mehr als die 99'. "

(108): Jesus sagte: "Wer von meinem Mund trinken wird, wird werden wie ich; ich selbst werde er werden, und die verborgenen Dinge werden sich ihm offenbaren."

(109): Jesus sagte: "Das Königreich gleicht einem Menschen, der auf seinem Acker einen Schatz hat, von dem er nichts weiß. Und nachdem er gestorben war, hinterließ er ihn seinem Sohn. Der Sohn wußte nichts. Er nahm jenen Acker und verkaufte ihn. Und der, welcher ihn gekauft hatte, kam pflügen und fand den Schatz. Er begann, denen Geld auf Zinsen auszuleihen, die er wollte."

(110): Jesus sagte: "Wer die Welt gefunden hat und reich geworden ist, möge der Welt entsagen." 

(111): Jesus sagte: "Die Himmel werden sich ausrollen ebenso die Erde vor euch. Und wer lebt aus dem Lebendigen, wird den Tod nicht schauen und auch nicht Furcht. Jesus sagt: 'Wer sich selbst findet, dessen ist die Welt nicht würdig.' "

(112): Jesus sagte: "Wehe dem Fleisch, diesem, das von der Seele abhängt. Wehe der Seele, die vom Fleisch abhängt." 

(113): Seine Schüler sagten zu ihm: "Das Königreich, an welchem Tag wird es kommen?" .  Jesus: "Es wird nicht kommen, wenn man Auschau nach ihm hält. Man wird nicht sagen: ,Siehe hier oder siehe dort`, sondern das Königreich des Vaters ist ausgebreitet über die Erde, und die Menschen sehen es nicht." 

(114): Simon Petrus sagte zu ihnen: "Mariham soll von uns gehen. Denn die Frauen sind des Lebens nicht würdig!" Jesus sagte: "Siehe, ich werde sie ziehen, damit ich sie männlich mache, damit auch sie zu einem lebendigen Geist werden, der euch Männern gleicht. Denn jede Frau, wenn sie sich männlich machen wird, wird in das Königreich der Himmel eingehen."

 

Eine kleine Vor-Auswahl

Vorwort

Auch wenn sie in der Bibel zu Hause sind sollten sie unbedingt das Vorwort dieser Webseite lesen!

Der Sündenfall

Der Beginn der Menschheit aus der Sicht der Schöpfungsgeschichte.

Die Bergpredig

Jesus erklärt dem Mensch seinen Sinn und sein Aufgabe in der Welt.

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Thomasevangelium

Aus den Neutestamentarischen Apokryphen.