AT Das Alte Testament

Buch Genesis (AT Kapitel 2 bis 5) 

Adam („Mensch“) und Eva waren nach der biblischen Erzählung im Buch Genesis das erste Menschenpaar und die Stammeltern aller Menschen.

Buch Genesis ( Kapitel 2 bis 5) 

Als Nebel das Land befeuchtet hatte, konnten Sträucher und Bäume wachsen, da bildete Gott den Adam aus dem Lehm der Ackererde und blies ihm den Lebens-Odem ein. Gott pflanzte dann den Garten Eden, das Paradies, mit den vier Paradiesströmen Geon, Physon, Euphrat und Tigris, mit dem Baum des Lebens und dem Baum der Erkenntnis vom Guten und Bösen. Adam wurde in den Garten gesetzt und erhielt das Gebot, nicht vom Baum der Erkenntnis zu essen. Dann wurden die Tiere erschaffen, und Adam gab ihnen ihre Namen. Nachdem unter den Tieren kein rechter Gefährte für Adam zu finden war, unternahm Gott einen zweiten Versuch: Adam wurde in tiefen Schlaf versetzt, aus einer Rippe wurde Eva erschaffen.
Die Geschichte vom Sündenfall.
Und die Schlange war listiger denn alle Tiere auf dem Felde, die Gott der HERR gemacht hatte, und sprach zu dem Weibe: Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von den Früchten der Bäume im Garten?
Da sprach das Weib zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten; aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esst nicht davon, rührt‘s auch nicht an, dass ihr nicht sterbt.
Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet mitnichten des Todes sterben; sondern Gott weiß, dass, welches Tages ihr davon esst, so werden eure Augen aufgetan, und werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist. Und das Weib schaute an, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er lieblich anzusehen und ein lustiger Baum wäre, weil er klug machte; und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann auch davon, und er aß. Da wurden ihrer beiden Augen aufgetan, und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schürze.
Und sie hörten die Stimme Gottes des HERRN, der im Garten ging, da der Tag kühl geworden war. Und Adam versteckte sich mit seinem Weibe vor dem Angesicht Gottes des HERRN unter die Bäume im Garten.
Und Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? Und er sprach: Ich hörte deine Stimme im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich. Und er sprach: Wer hat dir‘s gesagt, dass du nackt bist? Hast du nicht gegessen von dem Baum, davon ich dir gebot, du solltest nicht davon essen? Da sprach Adam: Das Weib, das du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum, und ich aß.

Die Hermeneutik

Die biblische Schöpfungsgeschichte und der Sündenfall sind über Jahrhunderte hinweg als personifizierter Anfang des Menschen verstanden worden. Adam ist unser aller Stammvater und menschlicher Lebensanfang nach religiöser Auffassung, bei manchen Menschen sogar bis in die Neuzeit hinein. Nun wissen wir heute sehr wohl, dass die Evolution anders verlief als überliefert, aber ist die Bibel deshalb zwingend falsch? Aus tiefenpsychologischer Sicht keineswegs, denn hier steht Adam zunächst als Archetypus (griechisch: Urbild)  unseres inneren und kollektiven Unbewussten. Betrachtet man Adam folglich als die unpersonifizierte innere Persönlichkeit für den Anfang der gesamten Menschheit und ihre Entwicklungsgeschichte, ist die vorangegangene Erzählung längst nicht mehr so fremdartig, wie sie uns zunächst erscheint. Demnach ist der Mensch in das Paradies (die Erde) geboren mit dem Odem Gottes. Also mit einer Seele Gottes, die der Geschichte nach eine tiefe Affinität zu dem Tierleben hat, aber dennoch ein Eigenleben braucht. Dass Adam und Eva aus einem geschaffen wurden, entspricht zumindest streckenweise der psychologischen Lehre des Animus (lat. „Geist“) und der Anima (lat. „Seele“) C. G. Jungs. Demnach hat die Seele, vereinfacht gesagt, einen unbewussten männlich rationalen geistigen Aspekt und einen weiblich emotionalen. Die Anima wirkt als unbewusste Gefühlsseite des Mannes, und der Animus als unbewusste Geistigkeit der Frau. Genau genommen ist unsere Seele und damit die menschlich wahrnehmbare Empfindungswelt also geschlechtslos und hat, der Erzählung entsprechend, denselben Ursprung. Nach jüdischem Verständnis wird in dieser Passage Eva das sinnliche und Adam das geistige Prinzip, die Vernunft, zugeschrieben. Der Sündenfall selber hingegen erscheint auf den ersten Blick paradox, denn wenn der Mensch in das Paradies geboren wurde mit dem Baum des Lebens und der Erkenntnis von Gut und Böse, warum sollte er dann dessen Früchte nicht genießen dürfen? Wissen sollte den Menschen in seiner Entwicklung ja eher vorwärtsbringen statt bösartig machen und ihn vor dem Unheil schützen statt ihn hineinzuwerfen. Das Verbot Gottes ist aber nicht willkürlich falsch und sinnlos, es muss vielmehr zwingend einen Grund für unsere menschliche Entwicklungsgeschichte haben, eben nicht schadlos mit diesem Wissen leben zu können. Der Sündenfall durch die Überredungskunst der Schlange in der unmittelbaren Nähe der Erkenntnis von Gut und Böse erscheint deshalb zunächst widersinnig. Die Schlange - phallisches Symbol für die Lust auf der einen Seite, der Apfel (fälschlicherweise in der Übersetzung mit dem Bösen gleichgesetzt) - Symbol für die Verführbarkeit und Schwäche des Menschen, die ihn von Gott entfernt. In Anbetracht der Tatsache, dass sich der Mensch nur auf sexuellem Wege fortpflanzt, entsteht hier ein unauflösbarer psychischer Konflikt, mit dem der Mensch nun zurechtkommen muss. Vernünftig und logisch erscheint das nicht, es sei denn, es geht in erster Linie nicht um das Sexualverhalten, sondern um das Lebensverständnis, das aus der Sünde geboren wurde. Die Scham, als unmittelbare Folge des Sündenfalls, und der damit einhergehende Verlust der Unschuld zeigen hier die psychische Veränderung Adams und Evas auf. Der Verlust der seelischen Unschuld im Handeln ist es folglich, den Gott mit der Vertreibung aus dem Paradies bestraft, den Menschen aber ließ er leben. Danach ist der Mensch zwar nicht physisch aus dem Paradies vertrieben, sondern psychisch und damit von seiner Wesensart, wie Gott sie schuf, getrennt, durch ein Verhaltensmuster, das Gott ihm verboten, aber ermöglicht hat. Man kann mit Fug und Recht sagen, dass die Freiheit selbst zum Dilemma wurde, weil das Wissen um Handlungsfreiheit tatsächlich den seelischen Konflikt der Handelnden erst verursachte. Wenn diese psychische Veränderung als psychologischer Ur-Konflikt verstanden wird, sind wir Menschen in unserer großen Masse dem Adam sehr nahe. Nicht dass der Mensch sich in den letzten Jahrhunderten aufgrund dieser Geschichte zu einem sexuell feindlichen Lebewesen entwickelt hätte, sondern weil wir eine Sprache sprechen, die zunächst aus der „Sünde“ geboren wurde, wir folglich Geltungskriterien unterworfen sind, die wiederum der Sprache entsprechen und umgekehrt. Da die Sexualität selbst nicht die Sünde sein kann (es gäbe uns ja nicht ohne sie), liegt es auf der Hand, dass der Verlust an objektiv richtiger Handlungsfolge auch seelischer Verlust bzw. Veränderung und damit sprachliche Verformung gewesen ist. Zum leichteren Verständnis erinnere sich der Leser am besten an seine frühe Kindheit in der er Sorglos und Ungezwungen und vor allem Unvoreingenommen der Welt und seinen Mitmenschen begegnete. Diese Freiheit des Seins als Tugend verstanden kommt dem Zustand des Adam und der Eva wohl recht nahe. Der Sündenfall erklärt uns in letzter Konsequenz, dass die Freiheit, wider Gottes Gebot zu handeln, in die Unfreiheit der Sünde führt. Ist der einzelne Mensch auch frei in seinem Handeln, solange er ohne Bewusstsein von Gut und Böse agiert, so kommt er doch in dem Bewusstsein von Gut und Böse zu dem beschriebenen psychischen Konflikt und einer Über-Ich-Entwicklung wider seines göttlichen Ursprungs.

Es erschien mir persönlich schon immer paradox, dass ausgerechnet das, was dem Menschen Freude bereitet (und Sexualität gehört dazu), von unseren Pastoren als Sünde gepredigt wurde. Sünde muss aber von dem Menschen auch als Strafe und nicht etwa als erstrebenswert empfunden werden, sonst verhalten wir uns sicher nie so, wie Gott es will. Aus der beschriebenen psychologischen Sichtweise ist die Sünde aber falsch und keineswegs schön. Die Sünde führt zwangsläufig zu einem psychisch wahrnehmbaren defizitären Erlebnisgehalt und einem veränderten Wahrnehmungsvermögen für die Wirklichkeit. Die Sünde verändert schlicht die subjektiv gefühlte, erlebbare Welt. Das, was Adam und Eva verloren, war ihre unschuldige, unvoreingenommene Erlebnisfähigkeit und damit die Intensität ihrer Lebensfreude, die unmittelbar mit dem Seelenleben verbunden ist. So verstanden, ist die Vertreibung aus dem Garten Eden natürlich eine ungeheuerliche Strafe, auch heute noch, zumindest wenn man weiß, wie man als freier, seelisch heiler Mensch empfinden kann. Da Unschuld und Unwissen genau dieses seelische Moment widerspiegeln, können Sie davon ausgehen, dass das kindlich naive Moment in Ihrem Leben genau durch die Gottesnähe hervorgebracht wurde, in der Sie leben sollen.

Fazit:

Das Christentum entwickelt aus dem jüdischen Verständnis den Begriff der Erbsünde und begreift Adam als intime Identifikationsfigur des Menschen. Die Geschichte vom Sündenfall hat im Laufe der Jahrhunderte dazu geführt, dass die Kirche mit teilweise brutalen Methoden versucht hat, moralisches Leben zu erzwingen. Vor allem im Katholizismus und im Islam entwickelte sich aus einem völligen Unverständnis gegenüber dem Sündenfall heraus eine falsche Moral, die man wohl nur als Tragödie bezeichnen kann. Heute ist das anderes. Nun verstehen sich die Menschen in der Gesellschaft zwar als Individualisten und sind aufgeklärt und kritisch, aber wenn Adam für den Sündenfall steht, hat eben auch jeder Einzelne seine psychische Erlebnisfähigkeit und die daraus resultierenden Verhaltensmuster zu beurteilen, denn Tatsache ist, dass wir heute im Großen und Ganzen eine Sprache sprechen, die Folge des Lebensverständnisses der beschriebenen Geschichte ist. Heute sündigt man bei jedem Stück Torte oder nennt gar das ganze Lokal „Süße Sünde“. Laszives Unzüchtiges und sexualisiertes Verhalten fördert Konsum und schafft Quote. Wie auch immer, in unserem Sprachgebrauch hat sich die Sünde zu etwas Lustvollem entwickelt. Die Sünde ist nicht nur gesellschaftsfähig, sondern für manchen Zeitgenossen gar Tugend. Triebhaftes Verhalten gilt vielen Menschen als männlich natürlich, und Lust wird konsumiert, wie eben andere oberflächliche Vergnügen auch. Dem Sündenfall entsprechend, kann man aber davon ausgehen, dass gerade ein falsches Verständnis der Sexualität den Menschen in psychische Unfreiheit wirft. Statt Lust am Leben entsteht ein Fluch, der den Menschen vor sich hertreibt und der ihn niemals zur Ruhe kommen lässt. Die Geltungskriterien des bewussten Handelns sind demnach nicht frei und ungezwungen, sondern psychisch fixiert wie bei einer Krankheit. Wie schon erwähnt, führt die Sünde zu einem psychisch wahrnehmbaren defizitären Erlebnisgehalt, also einem Mangel an Intensität im Handeln. Nicht, dass der Mensch im Sado-Maso-Laden kein Erlebnis hätte, nein, so nicht, sondern er hat schlicht eine veränderte Wahrnehmung. Während der eine Mensch ein völlig entspanntes Hier und Jetzt erlebt, sucht der andere gespannt nach einem Kick, von dem er sich so etwas wie psychische und physische Befriedigung erhofft. Letztere baut sich jedoch sehr rasch wieder ab, so dass wahre Befriedigung nie erreicht wird. Adam und Eva als Synonym sollte uns deshalb mehr als nur zu denken geben.

Eine kleine Vor-Auswahl

Vorwort

Auch wenn sie in der Bibel zu Hause sind sollten sie unbedingt das Vorwort dieser Webseite lesen!

Der Sündenfall

Der Beginn der Menschheit aus der Sicht der Schöpfungsgeschichte.

Die Bergpredig

Jesus erklärt dem Mensch seinen Sinn und sein Aufgabe in der Welt.

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Thomasevangelium

Aus den Neutestamentarischen Apokryphen.